|
Exponat des Monats
Ein Gemälde von Dominicus Gottfried Waerdigh
Als „Exponat des Monats“ stellt das Plöner Kreismuseum seine jüngste Neuerwerbung in einer Sondervitrine vor. Es handelt sich um ein kleines Gemälde, welches der für Plön bedeutende Maler Dominicus Gottfried Waerdigh im Jahre 1766 gemalt hat. In diesem Jahr hat er das Gebäude erworben, in dem heute das Kreismuseum untergebracht ist. Der um 1700 in Hamburg geborene Künstler und Kunsthändler, der sich in Holland an den Alten Meistern geschult hat, hatte bereits 1743 von Herzog Friedrich Carl für die Anfertigung von „4 Stück kleine Schildereyen“ eine Summe Geldes bekommen. Vermutlich handelt es sich um vier Supraporten, die noch heute im Plöner Schloß „über den Türen“ hängen. Das Haus, in dem heute das Museum beherbergt ist, gehörte zu der Zeit noch in den Besitz des Herzogs. In seinem Testament hinterlässt er es den Prinzessinnen , um es – solange sie unverheiratet blieben – zu einer „combinierten oder separierten Menage“ zu entschließen. Am 18. Januar 1766 verkauften die „Hochfürstlichen Plöenischen und Hochgräflichen Reventlauischen Erben“ der Herzogin Dorothea Christine den „Prinzessin-Hof“ an den Plöner Bürger und Gastwirt J. E. G. Rantzau, der ihn schon drei Tage darauf an Dominicus Gottfried Waerdigh weiter veräußerte. Das Gemälde, welches der Museumsverein auf einer Auktion in Wien ersteigern konnte, wurde demnach vielleicht sogar in Plön im Hause des Museums gemalt. Es zeigt dem Betrachter einen intimen Blick auf eine Dame, die bei Kerzenschein etwas schreibt. Wie von unsichtbarer Hand ist auf dem Gemälde ein dunkelgrüner Vorhang nach links gezogen und gibt den Blick in einen Innenraum frei. Dort sitzt im Vordergrund eine Dame auf einem grünen Sessel an einem kleinen eckigen Tisch, auf dem ein Tintenfass und ein Messingleuchter mit brennende Kerze stehen. Auf einer Bücherstütze liegen ein paar Blätter deren Inhalt die Frau mit der Feder, die sie in ihrer rechten Hand hält, in ein Buch zu übertragen scheint. Ob es sich um geschriebene Zeilen oder um Noten handelt, ist nicht erkennbar. Sie selbst trägt ein rotes Kleid, dessen weißer Kragen durch eine dunkelgrüne Schleife zusammengehalten wird. Ihr Haar verdeckt eine weiße Haube mit zarten grünen und roten Schleifchen. Das Licht der Kerze lässt im Hintergrund Wände erkennen, in deren oberen Bereich Regale angebracht sind, auf denen Bücher stehen und liegen. Besonders schön ist das Farbenzusammenspiel des kleinen Gemäldes. So wiederholt sich das Rot des Kleides in der Flamme der Kerze und das Grün des Vorhangs im Bezug des Sessels und in der Schleife am Decolleté der Dame. Die nächtliche Beleuchtung durch Kerzenlicht steht in der Tradition der Utrechter Caravaggisten, die bereits Anfang des 17. Jahrhunderts für den dabei entstehenden Hell-Dunkel-Kontrast eine Vorliebe hatten. Im 18. Jahrhundert war das Bildmotiv einer lesenden oder schreibenden Dame bei Kerzenschein für den privaten Gebrauch weiterhin sehr beliebt. Waerdigh verbrachte in Plön seine letzten Lebensjahre. Er starb am 20. April 1789 und seine Leiche wurde in der Johanniskirche unter dem vorderen Manns Stuhl, Morgens still beigesetzt. Nur wenige seiner Werke sind bekannt. Nachdem die Marius-Böger-Stiftung bereits 2007 eine Stadtansicht für das Museum erwerben konnte, ist dies das zweite Gemälde des ehemaligen Hausbesitzers, das in den „Waerdigh´schen Hof“ zurückgekehrt ist.
Öffnungszeiten des Museums: Di - So 14 - 17 Uhr (und auf Anfrage)
|
|||