Museum

         Museum des Kreises Plön
              
mit norddeutscher Glassammlung


          Johannisstraße 1 24306 Plön Tel. 04522/744391
Öffnungszeiten: 15.5.-30.9.: Di-So 10-12 und 14-17 Uhr; 1.10.-14.5.: Di-Sa 14-17 Uhr
                                           und nach Vereinbarung

 
Zur Geschichte des Museums: 1910 gründete Bürgermeister Johannes Kinder, der die Plöner
Stadtgeschichte erforscht hat (Bildnis neben dem Eingang), das erste Museum in Plön, das "Plöner
Volksmuseum". 1935 kamen die von Lehrer Claus Kröger aus Bösdorf zusammengetragenen vor- und
frühgeschichtlichen Funde hinzu. Beide Sammlungen gingen während des 2. Weltkrieges bis auf wenige
Reste verloren. l955 wurde unser heutiges Museum in dem Gebäude Schloßberg 5 gegründet und 1956
der "Verein zur Förderung und Pflege des Kreisheimatmuseums in Plön e.V." ins Leben gerufen. Den
Grundstock des neuen Museums bildeten die vor- und frühgeschichtlichen Funde, die der erste
Museumsleiter, Dr. Karl Hucke, im Zuge der Archäologischen Landesaufnahme zusammengetragen hatte,
sowie Schenkungen und Leihgaben der Vereinsmitglieder. 1967 erwarb und erneuerte der Kreis Plön das
bis dahin als Amtsgericht genutzte Plöner Rathaus von 1817 (Schloßberg 3), in das das Kreismuseum
1969 einziehen konnte. Infolge der Erweiterung der Stadtverwaltung ging das alte Rathaus 1980 wieder an
die Stadt Plön über, während das Museum nach einer Zwischenlagerung seit 1982 in der vom Kreis Plön
erworbenen und umfassend renovierten "Alten Apotheke" neu und erweitert eingerichtet wurde.

 

Die alte Apotheke  Officin der Plöner Hofapotheke. Ca. 1840

 

Hauptsammelgebiet des Museums ist das holsteinische Glas. Weitere Schwerpunkte sind die Vor- und
Frühgeschichte des Kreises Plön, das Zinn- und Silbergeschirr der Schützengilde und der
Handwerksämter sowie die Officin der Plöner Hofapotheke. Durch die Ausgrabungstätigkeit der letzten
Jahre sind die neuzeitlichen Bodenfunde, vor allem solche aus Glas und Keramik, stark angewachsen.

Erdgeschoß des Plöner Museums 

Raum 1: Beim Betreten der Eingangshalle fällt der Blick zuerst auf den einzigen alten Glasmacherhafen aus
Schleswig-Holstein. - In den Vitrinen werden Neuerwerbungen und Arbeiten des Preetzer Porzellanmalers
Christian Saß (1836-1916) sowie weiteres Ansichtenporzellan aus Schleswig-Holstein vorgestellt. - Der
mit kultischen Symbolen versehene Schalenstein aus Klein Meinsdorf (ältere Bronzezeit) und der
Sammlungsschrank des Oberförsters Wilhelm Dittmann leiten zur Vor- und Frühgeschichte über.
 

Raum 2: In den Tischvitrinen sehen Sie Funde der Altsteinzeit und der Mittleren Steinzeit. Eine
Besonderheit für Schleswig-Holstein stellt der vor der letzten Eiszeit bei Kalübbe abgelegte Faustkeil dar.
Die Wandvitrinen erläutern die Jungsteinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit im Kreis Plön. Gezeigt
werden die Herstellung und chronologische Entwicklung von Flintgeräten, Keramik der Jungsteinzeit,
Bronzewaffen und -geräte sowie eisenzeitliche Funde von Urnenfriedhöfen. In der Mitte des Raumes steht
eine nach der C 14-Methode um 5000 v.Chr. datierte Mooreiche aus Klausdorf mit Brandspuren und
muldenförmigen Eintiefungen. Eine Mooreichenscheibe an der Wand (1540 v.Chr.; Umgehungsstraße
Plön) erklärt die für die Archäologie so wichtige Dendrochronologie (Jahrringdatierung). Zwischen den
Fenstern ist der Schalenstein aus Nessendorf mit beidseitig eingetieften Schälchen aufgestellt.

Raum 3:  Ab ca. 700 n.Chr. folgt die Zeit der slawischen Besiedlung unserer Region. In der Mitte des
Raumes befinden sich Gegenstände von der Insel Olsborg im Großen Plöner See, auf der die slawische
Burg Plune gestanden hat. Funde von weiteren slawischen Siedlungsplätzen sind in den Tischvitrinen links
zu sehen. Spätslawische Funde und solche vom Beginn der deutschen Besiedlung aus dem Gebiet
Futterkamp liegen in der Fenstervitrine. Die Wandvitrine enthält mittelalterliche Funde vor allem aus
Futterkamp und Material des 16. bis 18. Jhs., das in den letzten Jahren in Plön ausgegraben wurde. - Die
Vitrine im Durchgang zeigt eine holsteinische Puppenküche.

 

Preetzer Irdenware.2. Viertel 18. Jh.  Preetzer Irdenware. 2. Viertel 18. Jh.

 

Raum 4:  Im Gartensaal sind ausgestellt: Grabungsfunde einer Preetzer Töpferei des 17. bis 19. Jhs.,
Gebrauchsgeschirr aus der Probstei, aus Lütjenburg und aus Plön sowie aus Marburg eingeführte Ware
mit Applikationen. In der Einbauvitrine neben der Probsteier Zimmertür von 1742 ist vor allem
lehmglasierte Ware zu sehen, die seit Ende des 19. Jhs. aus Schlesien nach Holstein in großem Stil
eingeführt wurde. Über dem bäuerlichen Tisch des 18. Jhs. hängt ein Schüsselreck mit alltäglichem
Geschirr. - Beim Verlassen des Raumes sehen Sie in dem davorliegenden schmalen Gang die
Dokumentation des königlich-preussischen Kadettenkorps, das von 1868-1920 im Schloß künftige
Offiziere ausbildete, sowie Stadtansichten von Plön und ein Landschaftsgemälde der näheren Umgebung.

Den Treppenaufgang begleiten aus Plöner Bürgerhäusern stammende Ofenplatten, verziert mit einer
Belagerungsszene, biblischen Darstellungen, Wappen usw. Darüber hängen vier Gemälde des in Plön
geborenen Malers Friedrich Carl Gröger (1766-1838), eines der bedeutendsten Porträtmaler seiner Zeit in
Norddeutschland.

Obergeschoß des Plöner Museums 

Raum 5: Die Glassammlung besteht aus holsteinischen Hüttenfunden des 16.-18. Jhs. (mit Glashüttenmodell) und aus Gebrauchsglas, das während des 18. und 19. Jhs. in Schleswig-Holstein benutzt wurde (einschließlich der 1987 von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein erworbenen Sammlung Poser).

Waldglas von holsteinischen Hütten. Ende 17. Jh.
Waldglas von holsteinischen Hütten. Ende 17. Jh.

- Seit 1575 kamen Glasmacher aus Hessen und Südniedersachsen nach Holstein, da hier das für die Glasherstellung notwendige Rohmaterial, vor allem Buchenholz, noch reichlich vorhanden war und gleichzeitig die Gutsbesitzer bestrebt waren, ihre Hoffelder auf Kosten des Waldes auszuweiten.
Unter den Glasmacherfamilien haben sich besonders die Gundelach und Kunckel hervorgetan. Aus letzterer stammt der berühmte, im Kirchspiel Plön geborene Johann Kunckel, der die "Vollkommene Glasmacherkunst" herausgegeben hat (Standvitrine).

 

Flaschensiegel des Elias Jüngeling  Holsteinisches Flaschensiegel des Elias Jüngeling

 

Raum 6:  In diesem Raum sind die noch erhaltenen Teile der Plöner Hofapotheke mit den dazugehörigen
Apothekergefäßen aus Glas und Keramik aufgestellt. Bis 1928 befand sich die Einrichtung aus der Zeit um
1840 im Erdgeschoß unseres Hauses und war bis Ende der 60er Jahre in der an den Markt umgezogenen
Hofapotheke in Benutzung.

Raum 7:  Vorbei an der Schäferszene einer Rokokowandbespannung gelangt man in den
gegenüberliegenden Raum 7, in welchem Zinn- und Silbergeschirr der ehemaligen Handwerksämter von
Plön, Lütjenburg und Preetz zu sehen ist. Gearbeitet wurde es von Zinngießern bzw. Goldschmieden aus
Plön, Preetz, Lütjenburg und Eutin. Hinzu kommen zahlreiche Amtsladen, zwei Handwerkerbriefe und
andere Gegenstände aus dem Zunftwesen. Ein Modell gibt die "Morgensprache" wieder, die Versammlung
der eingeschriebenen Meister eines Handwerks.

Raum 8:  In Raum 8 veranschaulicht eine Schusterwerkstatt des 19. Jhs., wie in diesem Handwerk
gearbeitet wurde. Mit großen Holzkästen wie dem ausgestellten beluden die Schuster ihre Fuhrwerke und
zogen, vor allem die der Schuhmacherstadt Preetz, auf die Märkte von Tondern bis Lübeck. - Ein weiterer
Arbeitsplatz ist der des Plöner Uhrmachermeisters Hermann Sievert (1846- 1898), der den in mehrere
Sprachen übersetzten Leitfaden für Uhrmacherlehrlinge verfaßt hat. Die Hängevitrine enthält neben
hölzernen Geräten zum täglichen Gebrauch Schnitzereien von Bauer Göttsch, von Bürgermeister Kinder
und von Lisa Lange, der die Modelle der Glashütte und der Morgensprache zu verdanken sind.
Metallarbeiten befinden sich in der Wand- und in der Standvitrine. Der gußeiserne Ofen von 1761 stammt
aus Gut Salzau.

Raum 9: Der Rokokosaal von 1756 ist nur zurückhaltend mit Vitrinen ausgestattet, zumal er auch für
kulturelle Veranstaltungen und Wechselausstellungen genutzt wird. Beleuchtet wird er durch einen
böhmischen Kronleuchter des mittleren 18. Jhs., der zuvor in einem dänischen Herrenhaus hing.

Ansichtenporzellan von Christian Saß: Plöner Schloß  Ansichtenporzellan von Christian Saß: Plöner Schloß

Vor einer Wandnische ist eine Probsteier Truhe von 1783 ausgestellt, und in einer Tischvitrine wird das Thema Plöner Klöppelei angesprochen.

Raum 10:  In der Wandvitrine befindet sich das Silber der Plöner Schützengilde von 1621, das von der
Schützengilde vor allem zum jährlichen Schützenfest noch heute benutzt wird. Das älteste Stück ist der am
großen Königsschild befestigte Vogel. Stiftungen aus der Herzogszeit bezeugen die Verbundenheit der
Herzöge mit der Gilde. - Im übrigen befinden sich in Raum 10, der bis 1998 dem Patenkreis Tilsit-Ragnit
(Ostpreußen) als Heimatstube diente, eine Videoanlage (Informationen zur Glasherstellung) und eine
Sammlung heimischer Keramik aus holsteinischen Seen.

Zur Geschichte des Hauses: Bei der Restaurierung der "Alten Apotheke" konnten Baureste des 13.
Jhs. nachgewiesen werden, auf denen 1540 ein Gebäude mit Tonnengewölbe errichtet wurde. Unmittelbar
nach dem Neubau des Schlosses wurde es 1636 als barockes Backsteingebäude mit 9 Fensterachsen und
Satteldach neu aufgebaut. Erst beim Einbau des Rokokosaales (1756) hat man das Satteldach zum
jetzigen Mansarddach umgestaltet. Die spätklassizistische Südfassade wurde 1842 vorgeblendet. - Die
historische Überlieferung beginnt mit dem Jahre 1385, als sich das Gebäude als vor den Toren der Stadt
gelegenes Burglehen im Besitz der Familie Ascheberg befand. Es diente verschiedenen Adelsfamilien und
in der Herzogszeit (bis 1761) oft hohen Hofbeamten als Wohnsitz, abgesehen von den Jahren 1685
-1704, als in ihm ein Waisenhaus eingerichtet war. Nach dem Aussterben der Plöner Herzogslinie wurde
es noch bis 1776 von den Herzogstöchtern bewohnt und ging darauf in bürgerlichen Besitz über. Von
1803-1928 war es Wohn- und Geschäftssitz des Plöner Hofapothekers. Danach verfiel das Haus
zusehends, besonders durch die Unterbringung von bis zu 100 Flüchtlingen nach 1945. Durch Ankauf
seitens des Kreises Plön (1977) wurde das für den Abbruch vorgesehene Gebäude gerettet.

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